IFAT 2022 in München: Und die Welt steht Kopf

29.06.2022

Die Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft fand von 30. Mai bis 3. Juni 2022 in München statt.

Deutschland, 4. Mai 2022: Deutscher Erdüberlastungstag. Also der Tag, an dem Deutschland so viele Ressourcen verbraucht hat, wie die Erde im Schnitt innerhalb eines Jahres erneuern kann. Tendenz: Negativ.

München, 30. Mai – 3. Juni: Über 120 000 Menschen mit einem Ziel: Kreislaufwirtschaft. Wussten Sie zum Beispiel, dass über die Hälfte des Abfalls in Deutschland aus Bau- und Abbruchabfällen besteht, das sind 210 Millionen Tonnen im Jahr? Müll, bei dem es schon jetzt technisch möglich ist, präzise Abbruch- und Aufbereitungsverfahren anzuwenden, um den Anteil der zu beseitigenden Restfraktionen stetig zu reduzieren. Und wussten Sie auch, dass der Wasserverbrauch der deutschen Industrie durch intelligente Lösungen bereits seit 3 Jahrzehnten rückläufig ist?

 

Die IFAT 2022 hat zu ihrer ursprünglichen Größe zurückgefunden

Sie bot großartige Möglichkeiten zum Wissenstransfer, zum Netzwerken und für Inspirationen, wie den globalen Herausforderungen der Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft begegnet werden kann. Dabei könnte der Zeitpunkt nicht besser gewählt werden: Die EU sucht dringend Wege aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Rohstoffe als Ressource werden immer knapper und auch die Wetterextreme häufen sich – entweder gibt es zu viel Wasser in Form von Starkregen und damit einhergehenden Überschwemmungen oder zu wenig Regen, was auch in mitteleuropäischen Breiten zu Dürre und Trinkwasserknappheit führt. „Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft spart Primärressourcen, reduziert Abhängigkeiten und trägt maßgeblich zum Klima- und Artenschutz bei.“, meinte Bundesumweltministerin Steffi Lemke bei der Eröffnung. Und sie fügte noch hinzu: „Ich will mit meiner Politik dazu beitragen, die Kreislaufwirtschaft in allen Phasen ihres Zyklus zu stärken und den Umweltschutz zu einem interessanten Geschäftsmodell zu machen.“

 

Nachhaltigkeit 4.0 bedeutet einen Dreiklang aus sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit

Dieser Dreiklang ist nur durch eine Vernetzung verschiedenster Disziplinen möglich. Besonders deutlich wird das am bayerischen Gemeinschaftstand, organisiert von Bayern Innovativ. So stellte z.B. das REZ, das Ressourcen-Effizienz Zentrum, aus, das den KMUs als kompetenter Ansprechpartner für Material- und Rohstoffeffizienz zur Verfügung steht. Oder KUMAS, ein Netzwerk aus Firmen, Kommunen, Kammern, Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen in Bayern, welche über hohe Umweltkompetenz verfügen und Angebot und Nachfrage nach innovativen und umweltgerechten Produkten und Dienstleistungen zusammenbringen. Direkt neben dem Bayernstand gab es den Gemeinschaftsstand des Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) mit weiteren Partnern wie z.B. dem H2.B Zentrum Wasserstoff Bayern oder dem Bayerisches Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Wasserstoff gilt als eine der Zukunftshoffnungen und als ein wesentlicher Baustein einer nachhaltigen Energie- und Wirtschaftspolitik. Denn Wasserstoff bietet vielfältige, flexible Anwendungslösungen und ermöglicht es, ergänzend zur direkten Stromnutzung, Industrie und Verkehr zukünftig vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Bayern möchte hierbei eine Schlüsselrolle spielen, die industrielle Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit beschleunigen und langfristig die Technologieführerschaft anstreben. Die Positionierung ist dabei klar: Wasser­stoff­erzeugung im windreichen Norden und anderen Regionen der Welt, Know-how und High-Tech im Süden. Als Basisinfrastruktur sollen schon bis 2023 bayernweit Wasserstoff­tankstellen errichtet werden.

 

Delegation aus Kasachstan

Dass Digitalisierung unabdingbar ist, Menschen aber gleichzeitig auch Menschen real treffen müssen, um in Kontakt zu kommen, zeigten die äußerst positiven Erfahrungen der kasachischen Delegation, die für 5 Tage im Rahmen des Programms „Bayern – Fit for Partnership“ von Bayern International in Bayern war. Neben dem Kennenlernen der bayerischen Kultur und Gastfreundschaft standen einige Referenzbesichtigungen am Programm: Die Müll-Umladestation der Max Aicher GmbH und das MVA Burgkirchen. Bei der IFAT selbst stellte Bayern International ein spannendes, aber durchaus dichtes Programm zusammen.  So hörten sie Impulsvorträge, warum Abfallverbrennung und Klimaschutz nicht unbedingt ein Widerspruch sein müssen, sie konnten eine Live-Demo eines Auto-Recyclings miterleben, lernten eine Firma kennen, die Schreddersysteme herstellt, und konnten sich mit zahlreichen Firmen wie z.B. Bauer Ressources GmbH, die Wackerbauer Maschinenbau GmbH, u.a., die direkt zum Gemeinschaftsstand kamen, austauschen. Auch das mittlerweile legendäre Weißwurstessen durfte als gemeinschaftliches Ereignis am zweiten Messetag natürlich nicht fehlen!

 

Vieles ist schon da, muss nur gefunden oder vielleicht neu zusammengesetzt werden

Für die Messebesucher gab es dafür die sogenannten Solution Tours. Insgesamt 21 Touren zu verschiedenen Fragestellungen waren im Angebot. Gemeinsam mit Branchenexperten konnten die Teilnehmer genau die Stände ansteuern, die ihnen einen optimalen Überblick zu bestimmten Fragestellungen rund um die Themenkomplexe ‚Zukunft Wasser - Zugang und Qualität‘, ‚Nachhaltige Städte- und Gemeinden‘ und ‚Intelligente Antriebe und Null-Emissionen‘ boten. Ein Service der Extraklasse.

 

Die IFAT 2022 gibt Hoffnung

Lösungen, die aus der Krise führen, wären da. In der Start-Up Area war die Aufbruchsstimmung in jeder Faser zu spüren, manchmal gepaart mit ein wenig Ernüchterung: Sind wir zu spät? Fakt ist: Die IFAT 2022 war ein starkes Zeichen des Neustartes für den Klimaschutz. Ein Zeichen der Hoffnung, dass wir in ein paar Jahren sagen können: 4. Mai 2033. Schön, sonnig, frühlingshaft warm. Und noch viele Tage entfernt vom deutschen Erdüberlastungstag. 

 

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