Reißt Brasilien das Ruder rum?

Brasiliens BIP ist in 2014 gerade einmal um 0,1% gewachsen, der schlechteste Wert seit 2009. Als Grund für die Konjunkturflaute geben viele Experten an, dass sich die Regierung in der vergangenen Legislaturperiode hauptsächlich darum bemüht hat, die Kaufkraft und den Konsum der Haushalte zu stärken und es versäumt hat, gleichzeitig die Investitionsbedingungen für die Industrie zu verbessern. Entsprechend ist die Industrieproduktion im vergangenen Jahr um 1,2% eingebrochen. Sie leidet im internationalen Wettbewerb zunehmend unter den hohen Kosten in Brasilien. Außerdem haben die steigende Inflation und die damit verbundene neue Hochzinzpolitik sowie Eingriffe am Devisenmarkt zur Stützung des brasilianischen Real Schleifspuren hinterlassen. Allein der hausgemachte Korruptionsskandal und die hohe Verschuldung des staatlich kontrollierten Mineralökonzerns Petrobras dürfte Brasilien rund 0,4% an BIP-Wachstum gekostet haben.

Präsidentin Dilma Rousseff ist im Oktober für die zweite Amtszeit knapp bestätigt worden und hat ein neues Wirtschaftsteam einberufen, um das Ruder herumzureißen.

Für 2015 bestätigen sich unter dem neuen Finanzminister Joaquim Levy, der ein wirtschaftsnahes und liberales Profil besitzt, Maßnahmen für einen neuen Akzent in der Wirtschaftspolitik. So hat er gleich zu Beginn des Jahres einen Sparkurs bei den öffentlichen Ausgaben angekündigt und für dieses Jahr einen Primärüberschuß bei den Staatseinnahmen von 1,2% des BIP zum Ziel erklärt. Ob er jedoch auch eine Reform des Steuersystems angehen wird und die durch die Arbeiterpartei (PT) geführte Regierung am kritisierten Arbeits- und Lohntarifrecht Änderungen vornehmen wird, bleibt fraglich. Fest steht angesichts des Sparkurses, dass sich die Regierung verstärkt um eine private Beteiligung am Infrastrukturausbau bemühen wird. 

Zumindest haben die eingeleiteten Änderungen in der Wirtschaftspolitik die Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) Ende März dazu veranlasst, Brasilien den „Investment Grade“ (BBB-) zu belassen. Wenn die Ratingagentur die Bonität auch nur um eine Note gesenkt hätte, würden brasilianische Anleihen als spekulative Anlagen gelten. S&P beließ auch die Aussichtgen für das Land stabil und begründete die Entscheidung mit der Erwartung, dass der eingeschlagene Sparkurs zur Sanierung des Staatshaushalts trotz der schwierigen Wirtschaftslage fortgesetzt wird.

In der Summe dürfte 2015 als Jahr der Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik in die Geschichte eingehen, deren Ergebnisse frühestens im Verlauf von 2016 zu spüren sein werden. Langfristig bleibt Brasilien aufgrund seines großen Inlandsmarkts, stabiler Rahmenbedingungen und der geringen Marktdurchdringung ein interessanter Markt. Als positive Attribute gelten außerdem der Rohstoff- und Agrarreichtum, der demografische Bonus sowie ein Modernisierungs- und Innovationsdruck, der nicht zuletzt durch die im vergangenen Jahr erfolgreich durchgeführte Fußball-WM und die in 2016 anstehenden Olympischen Spiele erhöht wird.

Bayern plant in 2015 folgende Messebeteiligungen in Brasilien:

SET Broadcast & Cable (Telekommunikation, Broadcast), 25.-27.8.2015 

Intermach (Maschinenbau), Joinville, 01. - 04.09.2015

MessePlus im Anschluss an die Intermach 

FIMAI (Umwelt- und Energietechnik), São Paulo, 11.-13.11.2015

Die Bayerische Repräsentanz in São Paulo steht bayerischen Firmen bei Fragen zum Exportgeschäft gerne zur Verfügung:  

State of Bavaria – Brazil Office c/o German-Brazilian Chamber of Industry and Commerce
Telefon: +55 11 5187-5100
Fax: +55 11 5181-7013
E-Mail: bayern@bayern.com.br
 www.bayern.com.br

Autor: Martin Langewellpott, Bayerischer Repräsentant in Brasilien.