Nach dem Embargo: Aufbruch in den Iran

Der 14. Juli ist als historischer Tag für die Handelsbeziehungen mit dem Iran zu werten: das Wiener Atomabkommen mit USA und EU öffnet das Land, die Ölquellen sprudeln und der Nachholbedarf ist groß – wohl dem, der zu Zeiten des Embargos gute Kontakte nicht einschlafen ließ, so wie Deutschland. Jetzt ist der Markt hellwach.

Seit 14. Juli sind die Sanktionen gegen den Iran Geschichte – endlich, seit nach 2006 in mehreren Resolutionen verschiedene Wirtschaftssanktionen und Reiseverbote verhängt wurden und Geldtransfers 2012 erstmals durch eine Blockade der SWIFT schwierig bis illegal wurden. Direkt nach den Verhandlungen fühlten sich US-Präsident Obama wie Irans Präsident Rohani als Sieger: die bilateralen Wirtschafts- und Finanzsanktionen sind aufgehoben, Irans Atomindustrie lässt sich strikten Kontrollen unterziehen, darf aber weiter an der friedlichen Nutzung von Atomenergie arbeiten. Fünf Jahre nach Wien, so wurde es vereinbart, soll sogar das Embargo für konventionelle Waffen aufgehoben werden.

Großer Nachholbedarf

Die Wirtschaft freut sich auf allen Seiten. BDI-Präsident Ulrich Grillo: „Der Nachholbedarf bei der Modernisierung der Industrie-Infrastruktur ist groß.“ Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Hamburg, rechnet mit „einem deutlichen Wachstum des bilateralen Handels“, und der Bundesverband der Deutschen Industrie gar mit einer Vervierfachung des Handelsvolumens im Export auf rund 10 Milliarden Euro. Fest steht: Iran ist als Handelspartner wieder da und somit auch sein Öl – immerhin verfügt das Land über die viertgrößten Erdöl-Reserven der Welt.

Zum Glück sind die Handelsbeziehungen nie ganz eingeschlafen, Deutschland war vor dem Embargo wichtigster Handelspartner des Iran. Manche aktuellen Kontakte reichen bis in Zeiten der Pahlavi-Kaiser zurück, und sind von großer, gegenseitiger Sympathie getragen. Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran: „Vor deutscher Qualität haben Iraner fast Ehrfurcht und davor, dass Industriebetriebe bereit sind, Know-how-Transfer zu leisten“. Jetzt stehen alle Türen offen.

Chancen für den Mittelstand

Der Investitionsstau in der iranischen Ölindustrie soll groß sein. Die voraussichtliche Steigerung der Erdölförderung wird Investitionen in der gesamten, vielseitig aufgestellten Industrie nach sich ziehen.  Für den bayerischen Mittelstand interessant dürften die Bereiche Automobilindustrie, Wohnbau, technische Infrastruktur, Pharmazie oder Medizintechnik werden. Den Preis für die Sanktionen haben zahlreiche Patienten in iranischen Krankenhäusern gezahlt. Jetzt ist der Bedarf an medizinischen Geräten und pharmazeutischen Produkten groß und will dringend gedeckt werden. Krebserkrankungen haben in den vergangenen 30 Jahren enorm zugenommen, 40 Prozent der Straßenkinder sind mit HIV infiziert, Diabetesfälle in 25 Jahren dreifach gestiegen. Gleichzeitig entwickelte sich der Iran laut „International Medical Travel Journal“ zu einem Zentrum für Medizin-Touristen im Mittleren Osten. 30.000 Medizin- und 200.000 Wellnesstouristen reisen jährlich nach Teheran. Es gibt zahlreiche Mineral- und Thermalquellen im Land. Viele iranische Ärzte sind hervorragend ausgebildet, die Lehrergeneration schon vor der Revolution im Ausland. Stärken liegen bei Augenchirurgie, Dialyse und Fruchtbarkeitsbehandlungen, Herzchirurgie und die Schönheitschirurgie sind hoch entwickelt. Wichtige High-Tech-Medikamente werden von der iranischen Pharmaindustrie produziert, die jedoch nach offiziellen Angaben zu 93 Prozent auf Importe angewiesen sind. Der Import von Medikamenten rangiert auf Platz 10 der Importgüter.

Bayern International unterstützt beim Exportgeschäft

Außerdem zählt der Immobilienbereich zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren Irans. „Hinzu kommt, dass rund 30 % des nationalen Anlagevermögens abhängig von diesem Bereich ist, welcher zu 97,3 % privatisiert ist“, so Ing. Abdolreza Faridnaeini, Leiter des iranischen Verbandes für Hersteller und Technologen des industrialisierten Bauwesens. Das Verkehrsnetz soll ausgebaut werden, vom Flughafen bis zu U-Bahn. Und vieles mehr. Bayern International informiert vor Ort: Bereits vom 5. bis 8.10.2015 auf der TIIE – The 15th Teheran International Industry Exhibition mit einem Stand. Vom 24. bis 28.4. 2016 findet die Project Iran (International Trade Exhibition for Construction Materials, Equipment & Environment Technology) statt, eine Baumesse in Teheran. Im Mai 2016 wird Bayern International erstmals an der Iran Health – The 19th International Exhibition for Medical, Dental, Laboratory, Pharmaceutical & Health Care Service teilnehmen. 

Die Lufthansa fliegt längst täglich direkt von Frankfurt nach Teheran, Germania drei Mal wöchentlich von Berlin oder Düsseldorf. Nicht nur Geschäftsreisen, auch der ‚normale’ Tourismus in die Wiege des alten Persiens nimmt zu, hin zu traumhaften Palästen, erfrischend bezaubernden Bergen, schicken  Restaurants in der modernen Metropole Teheran und traditionell besonders gastfreundlichen Menschen: „Khosh amadid“ – herzlich willkommen im Iran!

Autorin: Karen Cop